Wettbewerbsbeitrag Selbsthilfegruppe Postpartale Depression

Mein Name ist Babett Weyand und ich habe letztes Jahr die erste und leider bisher auch die einzige Selbsthilfegruppe für Postpartale Depressionen im Saarland gegründet. Postpartale Depressionen gehören zu der Gruppe von psychischen Erkrankungen, die bis zu einem Jahr nach der Geburt eines Kindes auftreten können. Und dies ist unabhängig von Alter, Herkunft und sozialem Umfeld. Diese Depressionen gehen unter anderem einher mit Schlaflosigkeit, Traurigkeit, Erschöpfung, Selbstzweifeln, Versagensängsten und Schuldgefühlen bis hin zu Suizidgedanken. Die betroffenen Frauen leiden nicht nur an der Erkrankung selbst – die sie ja auch nicht wollten – nein, sie leiden auch noch verstärkt unter dem großen Tabuthema überhaupt über diese Erkankung, die Erfahrungen und Gefühle sprechen zu dürfen. Und selbst wenn sie sich trauen, lastet dann ein Stigma auf ihnen, was bedeutet, dass sie sich selbst nach vollständiger Genesung noch immer rechtfertigen und erklären müssen.

 

Mein Ziel ist es mit dem Betreiben der Selbsthilfegruppe betroffenen Frauen einen Rahmen und eine Möglichkeit zum offenen und vertrauensvollen Austausch zu bieten, ohne Vorurteile und Appellen. Es hilft den Frauen ungemein, wenn sie erfahren, dass sie nicht allein sind mit dieser Krankheit in dieser doch außergwöhnlichen Situation nach der Geburt eines Kindes und die damit verbundene Umstellung auf die Mutterschaft, dass diese Krankheit heilbar ist und dies stellt für viele der Beginn der Genesung dar. Mein zweites großes Ziel ist die Erreichung einer Enttabuisierung in der Gesellschaft, aber auch im ganz privaten Umfeld der Frauen. Es muss zu sagen erlaubt sein, dass es einem eben nicht gut geht, dass das Kind anstrengend und kräfteraubend ist und dass die Freude eben nicht dauerhaft ist, ohne das man(n) bzw. frau gebrandmarkt wird. Dies kann ich oft durch lange und intensive Telefongespräche mit den Frauen und deren Partnern erwirken.

 

Klar lauf ich mit diesen beiden Anliegen teilweise offene Türen ein, z.B. wenn ich Veranstaltungen organisiere oder in Geburtsvorbreitungskursen darüber spreche, aber ganz oft bleiben wichtige Türen fest verschlossen. Dabei ist es doch grad so wichtig aufzuklären, zu informieren und dann auch Hilfe anzubieten. Da ist manchmal ganz schöne Überzeugungsarbeit notwendig. Meine Gruppe und das damit verbundene Engagement, dass ich leiste, tragen vielleicht nicht dazu bei, einen Ort optisch schöner zu gestalten oder aufzuwerten. Aber ich erreiche, dass Frauen sich schneller wieder wohl fühlen und damit die Lebensqualität der gesamten Familie gesteigert wird. Somit ist dieser Einsatz auch ein Zeichen von Familien- und auch Kinderfreundlichkeit. Denn Kinder sind eine Bereichung und sollten nicht als einengende, beklemmende Bürde empfunden werden. Dazu möchte ich von ganzen Herzen und mit all meiner Kraft meinen doch auch kleinen Teil dazu beitragen.

 

Mehr Infos unter: www.selbsthilfegruppe-ppd.de.to

 

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